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Dies ist ein Thema welches mich immer wieder aufs neue erschüttert und auch zu gleich wütend macht – sexueller Missbrauch!
Gerade kam wieder einmal eine neue Meldung zu diesem Thema -Gary Glitter droht eine lebenslange Haft.
Hier erst einmal der Link dazu: Gary Glitter droht lebenslange Haft wegen sexuellen Missbrauchs

Es ist doch schon ansich sehr erschreckend, wieviel so im Nachhinein, meist erst Jahre später heraus kommt. Viele Menschen sind entsetzt wenn sie davon hören, auch geht ein Aufschrei der Empörung durch die Bevölkerung, aber wieviele schauen auch einfach weg! Ob es nun hier in diesem Fall wirklich und auch endlich mal zu einer vernünftigen Verurteilung kommt, bleibt abzuwarten. Ich finde, dass diese Strafe, bei der Liste an Straftaten, die ich gelesen habe, völlig gerechtfertigt ist. Die Opfer gehen durch die Hölle, Alpträume,  das Selbstbewusstsein hat meist einen ganz gewaltigen Knacks bekommen, Ängste, Phobien, oftmals sind auch körperliche Schädigungen mit einhergehend. Die Folgen sind aber meist noch weit aus schlimmer: posttraumatische Belastungsstörung, Borderline Störungen und manchmal kommen noch Persönlichkeitsstörungen hinzu. Auch kann so etwas epileptische Anfälle auslösen.

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Ich möchte an dieser Stelle einmal kurz darauf näher eingehen, damit sich auch einmal Nichtbetroffene ein Bild über das Ausmaß einer solchen Handlung/Tat machen können:
Die Posttraumatische Belastungsstörung wird so genannt, weil Menschen denen so etwas schreckliches widerfahren ist, danach meist nur noch ejne sehr geringe Belastungsgrenze haben. Man muss sich dass folgendermaßen vorstellen, dass ein normaler Mensch, der keine solchen schlimmen Dinge durchleben musste, einen relativ niedrigen Stresslevel hat und wenn dann mal ein Problem kommt, wird vielleicht mal kurz aufbrausend reagiert, aber die Lage entspannt sich danach sehr schnell, d.h. der Stresspegel geht dann wieder nach unten und der Mensch ist wieder gelassen.  Jemand der aber so etwas schlimmes durchlebt hat, hat von Grund auf schon einen sehr hohen Stresspegel, kommt dann noch ein zusätzliches Problem oben drauf, es reicht schon nur eine Kleinigkeit aus, dann explodiert der Betroffene förmlich,  was seitens Außenstehender oftmals als aggressiv tetuliert wird. Dass aber diese Betroffenen das nicht absichtlich machen ist den Außenstehenden gar nicht bewusst, da sie nur danach beurteilen was sie sehen, sich aber keinerlei Gedanken darum gemacht wird, warum jemand vielleicht so ausflippt oder aber auch nicht fragt. Dies führt dann dazu, dass Vorverurteilt wird, obwohl eine Erkrankung vorliegt, die der Betroffene ja gar nicht selbst verursacht hat, sondern der Straftäter. Also wird das Opfer noch einmal durch unsere Gesellschaft, oder zumindest diejenigen die vorschnell urteilen zusätzlich noch einmal oben drauf bestraft, sei es durch falsches weiter erzählen,  also grob gesagt Lügen.  Hinzu kommt, dass dadurch, dass wir inzwischen so viele psychisch kranke Menschen haben, die Praxen und vor allem auch die Kliniken hoffnungslos überlaufen sind, was wiederum dazu führt, dass die Opfer oft endlos lange Wartezeiten haben, bevor sie eine entsprechende Behandlung bekommen. Also beginnt ein Teufelskreislauf. Die Opfer haben sehr große Angst, trauen sich dadurch auch nicht durchzusetzen, dass sie vielleicht eher eine Therapie bekommen könnten, also beginnt die soziale Isolation,  der Rückzug beginnt, diese Menschen fühlen sich dann ganz allein gelassen, verfallen in apathische Zustände, hinzu kommen die sogenannten Trigger, die Auslöser, oft sind es nur Worte, die ein sogenanntes Flashback auslösen und das Opfer vieles noch einmal durchleben lassen, ob sie wollen oder nicht. Das wiederum führt dazu, dass die Opfer nicht mehr einschlafen können, das Gedankenkarussell beginnt, es ist einfach nicht möglich abzuschalten, so sehr man es sich auch wünscht. Man kann sich gar nicht vorstellen was diese Menschen durch machen! Durch diese Isolation kommt es dann meist noch Depressionen. Deshalb kommt nun ein weiterer Aspekt hinzu, das Borderline Syndrom, wobei es hier sehr viele verschiedene Arten gibt. Viele denken, dass Borderline sich ritzen bedeutet, doch diese Annahme ist falsch. Es gibt auch die psyschiche Form von Borderline, dann sehen diese Menschen oft nur schwarz und weiß, die Grauzone fehlt. Also Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt, es fehlt die Normalität im Gefühlsleben.

Auch haben diese Opfer Beziehungsprobleme, einerseits klammern sie sich an einen Partner, wollen ihn nie wieder weg lassen, dann kommen Momente, wo sie körperliche Nähe einfach nicht ertragen können, dies führt oft zu Unverständnis bei den Partnern, da sie diese Gefühlslage ganz einfach nicht kennen und somit auch nicht nachvollziehen können. So gerät ein Opfer also durch diese Fremdeinwirkung, also den sexuellen Missbrauch oder auch Vergewaltigung in eine ganz schlimme Lage, aus der sie meist aus eigener Kraft nicht mehr heraus kommen. Eines möchte ich noch hinzufügen,  dass dieses Gefühlschaos, wleches in den Opfern tobt, unheimlich viel Energie raubt, deshalb sind diese Menschen auch so sehr müde und schlafen auch tagsüber dannoft vor Erschöpfung ein.
Und gar nicht selten kommt dann noch Unverständnis,  wenn solch eine Straftat innerhalb der eigenen Familie stattfindet auch noch die Ausgrenzung durch genau diese Familie hinzu, die doch eigentlich Verständnis für das Opfer aufbringen sollten. Es ist nicht in allen Familien so, aber in sehr vielen.  Es ist sehr erschreckend was für fatale Folgen solche Handlungen, oder besser gesagt Nichthandlungen, das Unverständnis nach sich ziehen. Deshalb kommt es nach solch schlimmen Taten leider viel zu oft zu Suiziden. Nur ganz wenige schaffen es aus diesem Kreislauf heraus. Da es für uns Menschen ansich schon extrem schwer ist, Gewohnheiten und Muster zu ändern, stellt euch mal vor, was diesen Opfern dann also abverlangt wird?!
Sie müssen also mit viel weniger Energie doppelt so viel Kraft aufbringen und dass das nicht funktionieren kann ist ja wohl ganz klar!

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Nun werden sich sicherlich viele Fragen woher ich all dies weiß? Ganz einfach, ich bin selbst ein Opfer sexuellen Missbrauchs. Allerdings hatte ich die Stärke mich daraus zu arbeiten.  Es war ein sehr langer  und vor allem verdammt harter Weg. Ich muss an dieser Stelle eingestehen, dass es natürlich immer wieder mal Trigger gibt, nur mit dem großen Unterschied, dass ich heutzutage in der Lage bin, meinem Gegenüber auch ruhig zu sagen: Du, dieses Wort ist nicht gut für mich, könntest du ein anderes Synonym bitte benutzen. Meine Freunde wissen das wenn ich so etwas sage, dass es anders für mich besser ist und es wird geändert. Ich erinnere mich, dass mein schlimmster Trigger das Wort „aggressiv“ ist! Inzwischen geht es schon besser, aber so richtig mögen tue ich dieses Wort immer noch nicht. Ich versuche es zu vermeiden. Allerdings ist es so, dass ausgerechnet in meiner Familie mir gegenüber dieses Wort sehr viel benutzt wurde und auch noch immer wird. Traurig aber wahr !
Ich denke, dass es so ist, weil ich immer noch als der Auslöser, ja die jenige angesehen werde, die zum einem selber Schuld an dieser Situation ist, zumindest  sieht es vor allem meine Mutter so. Oh was musste ich mir in all den Jahren anhören: du bist nichts! Du kannst nichts! Du hättest dich wehren können! Warum hast du nichts gesagt?! Warum hast du dem Kerl nicht einfach in die Eier getreten!…usw…und sofort…

Es gibt aber auch Antworten auf all diese Vorwürfe und Fragen:
Begonnen hat es damals bei meiner Schwester und mir, ja wir haben beide sexuellen Missbrauch erfahren, wo bei ich das meiste von abbekommen habe. Meine Schwester lebt weit genug entfernt, ist früh genug damals ausgezogen, mit 18 und für sie ist der Täter, der Stiefvater nicht mehr existent. Mich dagegen hat es um längen härter getroffen…begonnen hat es, da waren ich 9 Jahre alt, meine Schwester ein Jahr älter. Irgendetwas ist damals in mir zerbrochen, lange habe ich überlegt was es war? Heute weiß ich es, es ist das Urvertrauen zwischen Eltern und Kindern, welches völlig zerstört wurde. Und genau das macht mich noch heute gegenüber anderen Meschen so sehr misstrauisch. Hinzu sollte ich sagen, dass wir es damals,  als wir 12 und 13 Jahre waren es unserer Mutter gesagt  haben. Die Antwort unserer Mutter war nach einem großen Streit: „Sollte es noch einmal vor kommen, lasse ich mich Scheiden!“
Nun ja, er hat es wieder getan, der Stiefvater und all das habe ich abbekommen. Es ging über Jahre. Eines Tages kam dann der große Knall und ich konnte nicht  mehr, also brach alles aus mir raus. Die Familie ist seitdem hoffnungslos zerstritten. Ich bin sowieso seitdem das schwarze Schaf der Familie,  daran hat sich übrigens bis heute nichts geändert. Meine Mutter macht mich für alles verantwortlich,  flippt regelmäßig aus…die Liste ist endlos lang. Allerdings habe ich auch eine Tochter. Mein Problem zu jener Zeit war, dass ich meine Tochter schützen wollte und musste, also sagte ich es ihr als sie alt genug war, dymit ihr niemals so etwas schlimmes passieren würde wie mir und meiner Schwester. Seitdem ist richtig die Hölle in meinem Leben los gebrochen, meine Mutter hat das nicht verkraftet, dass ich es meiner Tochter gesagt hatte, also fing sie an gegen  ich zu schießen,  indem sie meiner Tochter Lügen über mich erzählte, sie manipulierte, Geschenke macht..bis heute übrigens und mich als die Mutter hinstellt, die ihrer Tochter ja nichts bieten kann. So sieht es aus. Deshalb habe ich meiner Tochter auch diesen Brief geschrieben,  um ihr zu zeigen, dass ich ihr  nicht böse bin, in der leisen Hoffnung, dass sie eines Tages wieder  mit mir reden wird und mich nicht mehr als das Monster ansieht, als welches ich seitens der Familie dargestellt werde.
Ganz ehrlich, ich leide sehr darunter, dass meine Tochter ganz einfach nicht erkennt, dass ich sie nur beschützen wollte.  Es gibt Situationen im Leben da muss man Entscheidungen treffen, ich habe meine Entscheidung getroffen und ich finde sie richtig!  Heute sehe ich es so, dass ich doch gewonnen habe, denn ich habe es geschaftt, dass es meiner Tochter sehr gut geht, sie studiert inzwischen und sie ist glücklich, hoffe ich zumindest!

Ich weiß für mich, dass ich es geschafft habe. Ich habe erfolgreich meine Therapie beendet, darauf bin ich sehr Stolz. Ich habe mit Hilfe meines heute besten Freundes es geschafft, dass ich mich zum positiven geändert habe, ich bin viel ruhiger geworden, ich kann diese Worte schreiben, ohne das etwas in  mir hoch kocht und das ist gut so. Ich habe zwar meine Frührente durch diese Sache, aber ich habe dazu eine ganz tolle Arbeitsstelle, bei ganz lieben Menschen…meine Blog, mein erstes Buch veröffentlicht, tolle Freunde begleiten mich in meinem Leben…was will ich mehr?!  Ich kann euch heute sagen, es geht mir gut. Ich bin zufrieden, ja glücklich.  Sicherlich gibt es immer wieder mal Momente, wo diese Erinnerungen auftauchen, so wie jetzt durch diese Nachricht,  aber ich kann damit jetzt gut umgehen. Wir wachsen an unseren Aufgaben, auch wenn wir manchmal denken …es geht nicht mehr, irgendwo her nehmen wir doch immer wieder die Kraft uns aufzurappeln und genau daran wächst auch unsere Stärke! Ich merke es jeden Tag. Und ich möchte an dieser Stelle noch eines los werden für alle Mitbetroffenen, also alle Opfer:

Ja, es ist schlimm was uns widerfahren ist. Man kann es aber nicht mehr rückgängig machen, so sehr man es sich auch wünscht. Allerdings können wir es in der Zukunft besser machen, indem wir uns vorbereiten, beispielsweise durch Selbstverteidigung.  Ich selbst habe ein Antiagressionstraining gemacht, wei, ich es so wollte…und es hat verdammt gut getan! Mir hat einmal eine ganz wundervolle Ärztin etwas  mit auf den Weg gegeben:

Sie haben alles Recht dieser Welt wütend zu sein,  aber lassen sie nicht zu, dass dieses Gefühl den Rest ihres Lebens beherrscht, nutzen sie ihre Ressourcen!

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Ich bin dieser Ärztin noch heute unendlich dankbar für diese Worte, denn sie haben mein ganzes Leben verändert. Deshalb schreibe ich heute wieder und ich bleibe auch dabei, denn schreiben ist mein Leben. Hinzu kommt noch die Fotografie. Wenn ich darüber nachdenke, es ist fast auf den Tag 2 Jahre her, dass ich vor dieser Ärztin saß, wie ein Häufchen Elend und hinaus gegangen …aufrecht, ich wusste genau danach was ich zu tun hatte. Inzwischen rufe ich einmal im Jahr bei ihr an und berichte ihr wie gut es mir geht.

Natürlich macht es mich noch heute wütend, wenn ich solche Nachrichten höre, denn diese Straftäter machen sich  nicht einmal Gedanken darüber,  was sie diesen Menschen damit antun. Es ist ihnen völlig egal, sie geben einfach ihrem Trieb nach…es werden Frauen sexuell missbraucht, ja vergewaltigt und noch schlimmer finde ich, wenn es kleinen Kindern abgetan wird. Diese Unschuldigen Kinder, die sich nicht wehren können, ja diese Kinder, die uns eigentlich vertrauen sollten, werden dadurch bitter enttäuscht.  Das ist einfach nicht richtig!

Ein letztes Thema noch dazu…als dann seitens der EU das Gesetz, welches mit solchen Dreckskerlen, sehr viel verschärfter umgehen sollte, abgelehnt wurde, war ich Fassungslos!  Es sollte in diesem Gesetz so geregelt werden, dass Sexualstraftäter wie Mörder verurteilt werden sollten. Es wurde aber abgelehnt! Ich kann nur hoffen, dass einmal einer von denen, die diese Entscheidung mitgefällt haben, meine Worte lesen, um sich mal darüber klar zu werden, dass eine lebenslange Haftstrafe das mindeste für diese miesen Schweine sind! Nun ist es so, dass die Täter ihre Strafe absitzen, wenn sie überhaupt verurteilt werden, danach machen viele einfach weiter. Wo liegt da die Gerechtigkeit? Wehrte Politiker,  euch ist es anscheinend völlig egal, was diese  Opfer durch machen, sonst hätten sie die Gesetze schon längst verschärft. Sollte Gary Glitter für das was er getan hat Lebenslänglich bekommen, so wäre dies nur fair, vor allem den Opfern gegenüber und er sollte ihnen Schmerzensgeld  zahlen, das ist das mindeste.

So nun bin ich erst einmal am Ende angekommen. Im Grunde könnte ich noch viel viel mehr zu diesem Thema schreiben,  aber das würde hier den Rahmen sprengen. Ich wünsche an dieser Stelle allen Betroffenen, ganz viel Kraft und Stärke. Es ist zu schaffen, ihr seid nicht alleine. Mir hat es geholfen, dass nur ein Mensch an mich glaubte. Und ich denke dass es immer den einen Menschen gibt. Glaubt an euch und eure Stärke, ihr habt sie in euch, ihr müsst sie nur zu lassen.

Lebt euer Leben und zeigt Stärke, denn nur so kann man diesen miesen Typen das Handwerk legen, oder es zumindest reduzieren.  Denn an starke Frauen trauen die sich nicht so schnell heran. Also zeigt es ihnen. Ich glaube an euch, ihr schafft das!

Eure Marifee

Veröffentlicht mit WordPress für Android

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