Wissen – Genießen – Leben

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Nun möchte ich mal einen ganz privaten Bericht schreiben, ich widme ihn meinem Vater, der gerade im sterben liegt. Wisst ihr, dass schlimme daran ist, dass man nicht weiß wann es genau passiert und diese Warterei ist sehr zermürbend und macht mich fertig und würde es wohl jeden machen.
Und da jeder auf seine eigene Art und Weise mit diesem Thema umgeht, habe ich nun beschlossen, es auch auf meine Art zu machen, ich schreibe darüber.
Ich kann nur hoffen, dass einige es nicht als piätetlos empfinden, aber ich sehe es nicht so, denn ich schreibe hier ja über Gefühle, Emotionen, die vielleicht anderen Menschen, die gerade in einer ähnlichen Situation sind, helfen.

Erfahren habe ich von meines Vaters Zustand vor etwa 4 Wochen, da kam erst die Diagnose Hirnblutung, wir waren alle schockiert. Gott sei Dank, konnte ihm geholfen werden. Dann hieß es, er habe Luftprobleme, eine Lungenentzündung und einiges anderes, nur wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht genau was es war. Inzwischen wissen wir es: Lungenentzündung,  Lungenenpysem (hoffe, dass schreibt man so?)  Und Lungenkrebs.

Wisst ihr was das seltsame ist, als ich erfahren habe, dass es Krebs ist, wusste ich innerlich sofort, dass es nicht lange dauern wird. Alle anderen aus der Familie sagten allerdings, dass :“Das wird schon wieder, er erholt sich.“ Ganz klar, dass einige dieses Thema erst einmal von sich schieben, die Wahrheit nicht sehen wollen, vielleicht es auch nicht wahr haben wollen…wie auch immer, man kann es nennen wie man will, fest steht, dass sich, so glaube ich nicht niemand gerne mit dem Thema Tod und Sterben auseinandersetzt, bzw. es möchte. Das ist auch völlig nachvollziehbar. Dennoch gibt es auch Menschen wie mich, die sich irgendwann und aus irgendeinem Grund mal mit diesem Thema auseinander gesetzt haben, es vielleicht auch mussten. Bei mir waren es verschiedene Situationen,  die es ausgelöst haben und eine ganz entscheidende sogar.

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1994 hatte ich eine ganz schwere Hirnhautentzündung,  es war 9 Monate nach der Geburt meiner Tochter. Damals hatte mich irgendein Tier gebissen, mein Bein wurde doppelt so dick und dann fing das ganze Drama an. Eigentlich wollte ich mit meiner Tochter,  meine Schwester im Norden besuchen, habe aber aus irgendeinem Grund, Zwischenstation bei meiner Mutter gemacht, die nicht weit entfernt wohnte. Dieser Besuch hat mir das Leben gerettet,  denn plötzlich fingen irrsinnige Kopfschmerzen an und mir ging es von Stunde zu Stunde schlechter.  Als ich mich übergeben musste wurde ich sofort ins Krankenhaus eingeliefert, es war buchstäblich Rettung in letzter Minute. Es war eine bakterielle Hirnhautentzündung,  so dass ich in Quarantäne kam und mir 3 Wochen meines Lebens fehlen. Nun gut, ich habe es überlebt, wie ihr seht. Dann hatte ich schon 3 Allergische Schocks, ja wenn ich etwas mache, dann richtig. Als nächstes kam ein schwerer Autounfall 1999, wo mir mit 90 km/h ein Wagen frontal ins Auto eingefahren ist. Meine Tochter, damals 6 Jahre,  saß hinten im Auto. Da sie damals immer noch während der Autofahrt einschlief, hatte ich ihr einen Autositz gekauft, worin sie nicht umkippen konnte und das dieser wirklich gute Kindersitz ihr das Leben retten würde, wusste ich beim Kauf allerdings nicht. Und eines ist sicher, als Mutter, wenn man weiß, dass das Kind im Auto sitzt, wo soeben einer rein gefahren war, entwickelt man Bärenkräfte. Und noch eines, diese tollen Bilder von den Airbags, wo die Puppen angeblich so sanft reinfallen, vergesst es, denn in Wirklichkeit ist, es als wenn ihr vor eine Betonmauer lauft. Ich sah danach aus, als wenn ich mit meinem Gesicht über den Asphalt geschlittert wäre. Na jedenfalls habe ich meine Tochter als erstes aus dem Auto geholt, mit wurde zwar ständig schwarz vor den Augen, aber die Kräfte sind dann wirklich enorm. Als ich meine Tochter aus dem Auto geholt hatte, taste ich sie ab, sie hatten nicht einen Kratzer…Wahnsinn!
Dann schaffte ich es immerhin noch den Fahrer runter zu putzen und erst dann wurde ich ohnmächtig. Immerhin habe ich die Reihenfolge eingehalten 😉
Na, jedenfalls seit diesem Erlebnis hat sich bei mir etwas verändert..denn wenn man ein Auto mit solch einer Geschwindigkeit auf sich zukommen sieht, denkt man erst mal: “ Jetzt ist es vorbei!“ Zumindest ging mir das in dieser Sekunde durch den Kopf.

Warum ich euch das erzähle? Weil ich euch anders nicht erklären kann, wieso sich dann das Denken ändert. Ganz einfach, seit diesem Tag, lebe ich jeden Tag, als wäre es mein letzter, ich genieße mein Leben, ich mache die Dinge, die mir Freude machen, ja ich sehe seitdem viel mehr Kleinigkeiten, die Schönheit dieser Welt ist mir viel bewusster geworden…und es macht Spaß die Welt mit anderen Augen zu sehen. . Vielleicht versteht ihr jetzt auch, warum ich in meinem anderen Beitrag geschrieben habe, dass es mir egal ist was andere Leute sagen, über mich denken, wie ich mich kleide…was auch immer.
Und glaubt mir, jeder Mensch, der solch ein Erlebnis oder etwas ähnliches hinter sich hat, denkt so. Dessen bin ich mir ganz sicher. Irgendetwas in unserem Kopf sagt uns dann:“ Lebe jetzt!“

Was das alles mit meinem Vater zu tun hat? Ganz einfach, in dem Moment, wenn wir mit dem Thema Sterben konfrontiert werden,  kommen all diese Erinnerungen wieder hoch und zumindest mir wird dann wieder bewusst, dass es zu unserem Leben dazu gehört. Ein Freund hat mirmmal gesagt:“ In dem Moment wo wir geboren werden, fangen wir auch schon wieder an zu sterben. “ Und das stimmt auch, auch wenn wir erst wachsen,  uns weiter entwickeln, irgendwann fangen wir auch wieder an abzubauen. Wir sind nur Gäste auf diesem wundervollen Planeten, den wir Erde nennen.  Allerdings gibt es dabei auch Menschen, die das so nicht hinnehmen wollen, ihr wisst wovon ich spreche, aber dies wird mal ein seperates Thema.

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Das Bewusstsein, dass es meinem Vater dann gut gehen wird, er keine Schmerzen mehr haben wird, keine Luftnot mehr haben wird, gibt mir ein Gefühl der Ruhe. Ich finde es viel schlimmer Menschen leiden zu sehen. Bei meinem Opa habe ich damals am Telefon mit bekommen, wie er gestorben ist. Damals war es ganz schlimm für mich, heute weiß ich, dass er mein Schutzengel bei diesem schlimmen Autounfall war. Damals sagten mir die Ärzte schon im Krankenwagen:“ Sie haben aber einen verdammt guten Schutzengel gehabt, eigentlich hätten sie Tod sein können.“
Tja, wie sage ich es immer….ich bin wie eine Katze, ich habe 7 Leben. Zumindest bin ich schon oft genug dem Tod von der Schippe gesprungen, aber irgendwann werde ich mich wohl nicht mehr davonstehlen können. Das ich es hier so beschreibe, ist einfach meine Art damit umzugehen, oftmals auch ein wenig Sarkasmus, aber das macht es leichter. Angst habe ich keine, aber dennoch empfinde ich Trauer für meinen Vater, auf der anderen Seite bin ich froh, dass er dann nicht mehr leiden muss. Diese Widersprüchlichen Gefühlen zeigen unsere, meine Emotionen und wie stark wir mit einem Menschen emotional verbunden sind.

Bei meinem Vater ist es so, dass ich ihn vermissen werde, seine Art wie er geredet hat, wie er mit mir umgegangen ist, sein Lachen,  seine Liebe zu den Tieren, die ganz besonders war. Noch heute habe ich mein Poesiealbum, wo auch er einst einen Spruch hineingeschrieben hat. Komisch ist doch, dass man sich an all die schönen Ddnge erinnert und alles negative aus irgendeinem Grund völlig ausradiert zu sein, als wenn jemand ein überdimensionales Radiergummi genommen hat und alles eben weg radiert hat.
Ich denke, es ist so eine Art Schutzmechanismus unseres Gehirns, damit wir auch trauern können.  Und das ist auch gut so.
Wichtig ist doch, dass wir diese lieben Menschen in guter Erinnerung behalten und das werde ich immer…

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Gestern habe ich ein sehr schönes Lied gefunden, welches von den Worten auch wunderschön passt:

Von Trude Herr ….niemals geht man so ganz….irgendwas bleibt hier…

Trude Herr niemals geht man so ganz

Wunderschönes Lied, welches mit seiner Sanftheit der Musikklänge  und seinen wundervollen Worten, die  genau meine Stimmung wiederspiegelt. Und eines ist mir klar geworden, es stimmt, ….niemals geht man so ganz…irgendwas bleibt hier…

Ja, ein Teil von meinem/unserem Vater bleibt immer hier, er lebt in uns Kindern und unseren Kindeskindern weiter…immer ein Teil…und es ist gut so, denn dadurch leben wir Menschen weiter und dadurch können wir uns auch wenn wir in den Spiegel schauen immer wieder sagen: du bist da…und es wird mir ein lächeln ins Gesicht zaubern…

Ja, es ist ein Abeschied, den ich heute gerne mit meinen eigenen Worten beenden möchte:

Abschied

Abschied nehme ich von dir,
Der du immer wirst sein bei mir.

In meinem Herzen trage ich dich mit,
Voll Erinnerungen nur an dich.

Du lebtest dein Leben wunderbar,
Auch wenn es mal voll Trauer war.

Tiere waren stets deine Gefährten,
Sie dir so manches mal dein Herz erwärmten.

Voll Wehmut schau ich nun zurück,
Auf ein Leben voller Glück.

Gott gab dir einst das Leben,
Wird es aber nun dir nehmen.

Nach kurzem Leid gehst  du nun,
Nimmst mit ein Leben voll an hartem Lohn.

Deine Kinder sie sind da,
Zu zeigen dieser Welt: du warst wunderbar.

Still nun wird es werden,
Doch du bleibst für immer in unseren Herzen.

Sei glücklich und ohne Leid, wo du nun bist,
Ich weiß, das du nun im Himmel bist.

Und sendest du uns deine Zeichen,
Sie werden uns immer erreichen.

Ruhe sanft nun ohne Schmerz und Leid,
Geh deinen letzten Weg, mach dich bereit.

Und stehst du vor der Himmelstüre,
Warte nicht, geh hinüber.

Dein Leid ist zu Ende nun,
Hast nun deinen Frieden schon.

Schwer wird es ohne dich,
Wir werden immer lieben dich.

Was es macht nun leichter mir,
Zu wissen, dass es gut nun gehet dir.

(Marifee Hutton)

Der letzte Weg wird es sein, nicht leicht, aber danach wird es besser sein. Ich werde dich nie vergessen…

In Liebe für meinen Vater…“Fritz“  Friedrich Helmut Köhler
Nachtrag: der heute, am 18. Januar 2015 von uns gegangen ist.
geboren 19. Januar 1942 ..verstorben 18.Januar 2015)
Ruhe in Frieden

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